Finanzmarktinfrastrukturen spalten sich in geopolitische Blöcke
Fünfzig Jahre nach dem Ende von Bretton Woods weicht das westlich dominierte globale Finanznetzwerk zunehmender Fragmentierung. Eine Studie von Cristina Di Luigi und Antonio Perrella zeigt, wie Geopolitik und De-Risking alternative Zahlungssysteme vorantreiben.
Vom Korrespondenznetz zu getrennten Kanälen
Die globale Finanzarchitektur durchlief seit 1971 vier Transformationsphasen: von der anfänglichen Deregulierung über die rasche Integration bis zur aktuellen Fragmentierung.
Zwischen 2011 und 2022 sank die Zahl aktiver Korrespondenzbank-Beziehungen weltweit um 30 Prozent, in einigen Regionen sogar um fast die Hälfte.
Gleichzeitig gingen die aktiven Korridore um über 16 Prozent zurück.
Ursächlich waren strengere Eigenkapitalregeln unter Basel III sowie verschärfte Vorgaben zur Geldwäschebekämpfung (AML/CFT).
Diese Entwicklung trieb Schwellenländer dazu, unabhängige Infrastrukturen aufzubauen.
Systeme wie Chinas CIPS, das russische SPFS oder bilaterale Fast-Payment-Verknüpfungen ersetzen zunehmend traditionelle Netzwerke.
Sanktionen und strategische Autonomie
Finanzmarktinfrastrukturen wurden lange als rein technische Netze verstanden, entwickelten sich jedoch zu geopolitischen Hebeln.
Die Waffenfähigkeit asymmetrischer Netzwerke zeigte sich bei den Ausschlüssen aus dem SWIFT-System sowie beim Einfrieren von rund 260 Milliarden Euro an russischen Zentralbankaktiven bei Euroclear.
Staaten des globalen Südens reagieren darauf mit der Forcierung eigener Abrechnungssysteme wie BRICS Pay und DLT-Plattformen, um extraterritoriale Verwundbarkeiten zu minimieren.
Effizienz verliert gegen Autonomie
Die Spaltung der globalen Finanzinfrastruktur spiegelt eine dauerhafte geopolitische Neuordnung wider.
Technologische Innovationen wie DLT können das fehlende politische Vertrauen zwischen den Blöcken nicht ersetzen.
Am Ende zahlt der Welthandel den Preis für diesen Autonomiegewinn mit höherer Reibung und steigenden Kosten.
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