Italiens Defizit steigt laut Haushaltsplan 2027 auf 3,4 Prozent
Italiens Haushaltsplan sieht für 2027 ein Defizit von 3,4 Prozent des BIP vor, nach 2,9 Prozent 2026. Andrea Brandolini, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Statistik der Banca d’Italia, erläuterte die Planung am 12. Oktober 2026 im Parlament.
Energie und Verteidigung erhöhen Defizit
Zusätzliche Ausgaben für Energie und Verteidigung unterbrechen 2027 den Defizitabbau.
Der Regierungsplan setzt die Defizitquote für 2028 auf 3,2 und für 2029 auf 2,3 Prozent des BIP; ohne neue Maßnahmen wären es 2027–29 jeweils 2,9, 2,7 und 2,2 Prozent.
Der Primärüberschuss soll von 1,2 Prozent 2026 auf 0,9 Prozent 2027 sinken und danach auf 1,4 und 2,4 Prozent steigen.
Die Schuldenquote erreicht im Plan 2027 mit 138,5 Prozent ihren Höchststand und fällt bis 2029 auf 136,6 Prozent.
Die Nettoausgaben wachsen 2027–29 um 3,3, 1,7 und 0,2 Prozent.
Die Regierung beansprucht 2027 und 2028 jeweils 0,3 Prozent des BIP Spielraum für Verteidigung und Energie.
Italien beantragte die nationale Ausweichklausel am 10. September; der EU-Rat muss ihre Aktivierung genehmigen.
Energie verteuert sich, Wachstum hält
Italiens BIP stieg im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent.
Der Haushaltsplan veranschlagt für 2026–29 ein Wachstum von 1,0, 0,8, 0,9 und 0,8 Prozent.
Der Nahostkonflikt trieb Öl über 100 Dollar je Barrel und europäisches Gas über 70 Euro je Megawattstunde.
Im Euroraum stieg die Inflation von 1,9 Prozent im Februar auf 3,8 Prozent im September; die Kerninflation lag bei 2,5 Prozent.
Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte im September den Einlagenzins um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent.
Italiens zehnjährige Staatsanleihen rentierten mit 4,6 Prozent.
Schuldenabbau braucht die Korrektur
Brandolini bezeichnet die Haushaltskorrektur von rund einem BIP-Prozentpunkt 2029 als Voraussetzung für einen dauerhaften Schuldenabbau.
Die Ausweichklausel garantiert keinen Austritt aus einem laufenden EU-Defizitverfahren.
Er mahnt deshalb zur Gegenfinanzierung zusätzlicher Ausgaben und zum Vorrang produktiver Investitionen.