Scotti fordert gemeinsame Standards für tokenisierte Finanzmärkte
Chiara Scotti, stellvertretende Gouverneurin der Banca d’Italia, plädiert am 23. Oktober 2026 beim IIEB-Treffen in Mailand für interoperable Finanzplattformen. Banken sollen trotz unsicherer Nachfrage schrittweise in digitale Fähigkeiten investieren.
Öffentlicher Anker für private Innovation
Scotti verteidigt das zweistufige Geldsystem: Zentralbanken sichern den monetären Anker, private Institute entwickeln Dienstleistungen und schaffen durch Kreditvergabe Geld.
Regulierung, Aufsicht, Liquiditätshilfen und Einlagensicherung stützen die Konvertibilität zum Nennwert.
Der digitale Euro soll öffentliches Geld für digitale Alltagszahlungen bereitstellen; beaufsichtigte Intermediäre betreuen die Kunden.
Pontes verbindet marktseitige DLT-Plattformen mit TARGET-Diensten zur Abwicklung in Zentralbankgeld.
Es startete am 21. September 2026; die vollständige Umsetzung ist laut Eurosystem bis 2028 vorgesehen.
Appia erkundet längerfristig eine interoperable Architektur.
Gemeinsame Standards sollen abgeschottete Netze und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern verhindern.
Kleine Bestände, offene Liquiditätsfragen
Tokenisierte Vermögenswerte auf öffentlichen Blockchains erreichten im Februar 2026 laut zitierter Schätzung 38 Mrd. Euro, nach 7,4 Mrd. Euro Anfang 2024.
Dem stehen globale Vermögenswerte von 241 Bio. Euro Ende 2025 gegenüber.
Die Schätzung schließt Repos aus und erfasst private Register nicht umfassend.
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) meldete im September 2026 begrenzte Nutzung tokenisierter Einlagen.
Scotti betont: Atomare Abwicklung senkt das Erfüllungsrisiko, nicht den Liquiditätsbedarf; verteilte Mittel können ihn erhöhen.
Flexibilität statt Passivität
Scotti setzt auf schrittweise Investitionen statt früher Festlegung auf eine Technologie.
Modulare Systeme, gemeinsame Datenstandards und Fachwissen bleiben nach ihrer Einschätzung über mehrere Szenarien hinweg nutzbar.
Abwarten spart Festlegungskosten, verzögert aber Lernen und begrenzt den Einfluss auf entstehende Standards.