Pyshnyy fordert Vorbereitung auf existenzielle Schocks
NBU-Gouverneur Andriy Pyshnyy fordert eine Erweiterung des Zentralbank-Vokabulars um existenzielle Schocks. Bei der gemeinsamen Konferenz mit der polnischen Notenbank betonte er, dass traditionelle Modelle zur Zins- und Inflationssteuerung bei Systembrüchen an ihre Grenzen stoßen.
Jenseits von Zehntel-Prozentpunkten
Zentralbanken sind es gewohnt, in marginalen Schritten wie leichten Inflations- oder Zinsverschiebungen zu denken.
Pyshnyy regte an, das ökonomische Vokabular um „existenzielle oder systemverändernde Schocks“ zu ergänzen, die Schwellenwerte überschreiten und vertraute Modellbeziehungen außer Kraft setzen.
Als Beispiel nannte er den russischen Angriffskrieg, der am Konferenztag 1.672 Tage andauerte – 104 Tage länger als der Erste Weltkrieg.
Trotz massiver Zerstörungen und mehr als 140.000 abgewehrten Luftzielen funktioniere das ukrainische Finanzsystem durchgehend.
Der Zahlungsverkehr laufe stabil, Banken blieben geöffnet, und die Ukraine verzeichne die längste Phase kontinuierlichen Kreditwachstums ihrer Geschichte.
Die Magmakammer unter den Geysiren
Flexibilität erfordere laut Pyshnyy feste institutionelle Anker: Zielklarheit, Unabhängigkeit und Rechenschaftspflicht.
Finanzielle Souveränität bedeute nicht Isolation, sondern eigene Entscheidungsfähigkeit, gestützt auf Partner wie die polnische Notenbank.
Mit Blick auf Künstliche Intelligenz betonte Pyshnyy, dass Rechenschaft niemals an Algorithmen delegiert werden darf.
Zudem mahnte er anhand des Yellowstone-Gleichnisses, analytische Präzision bei Einzelindikatoren nicht mit dem Verständnis des gesamten Systems zu verwechseln.
Realitätscheck für die Modellwelt
Pyshnyys Vorstoß entlarvt die Grenzen einer Notenbanklehre, die sich oft in Zehntel-Prozentpunkten verliert.
Klassische Modelle bieten schlicht keine Antworten auf physische Zerstörung oder geopolitische Systembrüche.
Operative Resilienz und feste Anker zählen im Ernstfall mehr als jede akademische Prognose.
Quelle: Changing without losing sight of the goal
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