US-Banken verdreifachen Fristeninkongruenz seit 1980er-Jahren
Eine Studie der Federal Reserve Bank of San Francisco zeigt: Die Laufzeitlücke US-amerikanischer Geschäftsbanken hat sich seit Mitte der 1980er-Jahre von 1,6 auf 5,7 Jahre mehr als verdreifacht. Sinkende Leitzinsen und Anleihekaufprogramme der Notenbank trieben die Banken in langlaufende Anleihen.
Der Zwang zur Renditejagd
Die Ökonomen Thomas Mertens, Pascal Paul und Andres Schneider belegen anhand historischer Bilanzen, dass der Abstand zwischen den Laufzeiten von Bankaktiva und -passiva eng mit dem Verfall der Laufzeitprämien korreliert.
Fällt die Zinsspanne, reichen die Zinserträge der Banken nicht mehr aus, um ihre laufenden Betriebskosten von durchschnittlich 2,5 Prozent der Bilanzsumme zu decken.
Um Renditeziele zu erreichen, verlängern die Institute die Laufzeiten ihrer Kredite und Wertpapiere.
Dieser Effekt verstärkt sich bei fortschreitender Stauchung der Laufzeitprämie konvex.
Banken mit geringerer Gesamtkapitalrendite reagieren besonders stark und erhöhen die Laufzeiten ihrer Aktiva nachfolgend messbar.
Das Paradoxon der Notenbankkäufe
Das Phänomen birgt Risiken für die Finanzstabilität.
Eigentlich soll Quantitative Easing dem privaten Sektor Laufzeitrisiken entziehen, indem die Zentralbank langlaufende Papiere aufkauft.
Paradoxerweise konzentriert diese Politik die Risiken jedoch in den Bankbilanzen.
Steigen die Zinsen nach einer Niedrigzinsphase schlagartig an, erleiden Institute massive Buchverluste auf ihre Aktiva.
Dies erhöht die Anfälligkeit für selbsterfüllende Runs unversicherter Einleger, wie die Krise der Silicon Valley Bank 2023 zeigte.
Gefährliche Nebenwirkungen der Geldpolitik
Die Arbeit legt offen, wie die ultralockere Geldpolitik ungewollt die Saat für zukünftige Bankenkrisen sät.
Das Ignorieren betrieblicher Festkosten macht die Regulierung blind für hausgemachte Fristenrisiken.
Notenbanken müssen diesen Zielkonflikt zwischen Geldpolitik und Finanzstabilität endlich offen adressieren.
Quelle: Reaching for Duration
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