Sleijpen beziffert EU-Klimaschäden auf 180 Mrd. Euro
Der Vorsitzende des NGFS, Olaf Sleijpen, hat in Frankfurt die ökonomischen Schäden des Klimawandels beziffert. Erste Schätzungen beziffern den hitzebedingten Verlust für das BIP der Europäischen Union im laufenden Jahr auf 180 Mrd. Euro.
Milliardenverluste von Getreide bis Produktivität
„Es ist nicht mehr möglich, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels zu leugnen“, betonte NGFS-Vorsitzender Olaf Sleijpen in Frankfurt.
Allein im europäischen Agrarsektor vernichtete die Sommerhitze laut Coceral knapp 9 Mio. Tonnen Getreide, was einem Schaden von rund 2 Mrd. Euro entspricht.
Oxford Economics veranschlagt den wetterbedingten Anstieg der Nahrungsmittelinflation im Folgejahr auf über einen Prozentpunkt.
Zudem sinkt die Arbeitsproduktivität zwischen 30 und 35 Grad Celsius pro zusätzlichem Grad um etwa 3 Prozent, wie Allianz Research kalkuliert.
Für die gesamte Europäische Union summiert sich der potentielle BIP-Verlust im laufenden Jahr auf 1 Prozent bzw. rund 180 Mrd. Euro.
Globale Schäden verdoppelt
Das Netzwerk umfasst mittlerweile über 150 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden.
Eine NGFS-Studie zu 31 Extremwetterereignissen zwischen 2021 und 2025 belegt die makroökonomische Dimension: Die BIP-Verluste reichten von 0 bis über 50 Prozent, während die Inflation um bis zu 17 Prozentpunkte anstieg.
Im Jahr 2025 überstiegen die weltweiten Schäden 200 Mrd. Dollar – eine Verdopplung gegenüber den 2000er-Jahren.
Für die Geldpolitik verändern diese Schocks die Zinstransmission und den neutralen Realzins grundlegend.
Nichtstun wird unbezahlbar
Sleijpens Vorstoß entzieht der Debatte über Zentralbankmandate das Ideologische.
Wenn Extremwetter die Preisstabilität direkt angreift, gehört Klimarisikovorsorge zum operativen Kerngeschäft.
Die Daten belegen eindrücklich: Abwarten wird für Volkswirtschaften ungleich teurer als die Transformation.