KI-Nachrichtenschocks heizen Investitionen und Inflation an
Eine Neubewertung von Künstlicher Intelligenz an den Finanzmärkten löst rasche Investitions- und Inflationsschübe aus, lange bevor Produktivitätsgewinne in der Realwirtschaft ankommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Studie der niederländischen Zentralbank DNB.
Investitionsboom und Teuerungswelle in den USA
Die Analyse von Maria Sole Pagliari isoliert tägliche Neubewertungen über ein Long-Short-Aktienportfolio und projiziert deren makroökonomische Wirkung.
In den USA folgt auf einen positiven KI-Schock ein investitionsgetriebener Zyklus: Die Auftragseingänge für Kernkapitalgüter steigen rasch an und erreichen nach 29 Monaten ein Plus von 1,18 Prozent.
Die Erzeugerpreise klettern mit einem Höchststand von 0,84 Prozent nach 34 Monaten deutlich vor den Verbraucherpreisen, während der Kern-PCE-Preisindex erst nach 42 Monaten um 0,49 Prozent zulegt.
Das reale BIP reagiert zögerlich mit einem Höchstwert von lediglich 0,22 Prozent nach 16 Monaten.
Gleichzeitig sinkt die Kapazitätsauslastung vorübergehend um 0,34 Prozent, da Reorganisationsprozesse Ressourcen binden.
Zweistufige Übertragung über den Atlantik
Über das Produktionsnetzwerk diffundiert der Impuls: KI-nahe Zulieferer verzeichnen frühe Produktionsgewinne, bevor Kosten auf nachgelagerte Branchen übergreifen.
Im Euroraum schlägt der Schock zweistufig durch.
Während europäische Aktien zulegen und der Euro abwertet, steigen die Gaspreise wegen des Rechenzentrumsbedarfs um 24 Prozent nach zehn Monaten.
Import- und Erzeugerkosten treiben die HICP-Inflation auf 1,6 Prozent nach 18 Monaten, während reale Produktionsgewinne noch ausbleiben.
Teure Vorschusslorbeeren
Die Studie entzaubert das Narrativ vom sofortigen disinflationären Produktivitätsschub durch KI.
Steigende Vorleistungs- und Energiekosten zwingen Währungshüter zur Straffung, lange bevor reale Effizienzgewinne greifen.
Dieser zeitliche Versatz macht die Markteuphorie kurzfristig zu einem geldpolitischen Risiko.