ESG-Offenlegung verbessert Finanzierungsbedingungen in der EU
Eine Metastudie von DNB-Ökonomin Anouk Levels zeigt, dass ESG-Berichtspflichten den Zugang zu Kapital erleichtern und Finanzierungskosten senken können. Zugleich preisen Finanzmärkte regulatorische Befolgungskosten und Unsicherheiten bei Unternehmen ein.
Günstigere Kredite, aber neue Regulierungskosten
Die Auswertung von 99 empirischen Studien aus den Jahren 2010 bis 2025 belegt überwiegend positive Effekte von ESG-Offenlegungen auf Kapitalzugang und Finanzierungskosten.
Insbesondere am Markt für Fremdkapital sichern sich Unternehmen mit solider Nachhaltigkeitsberichterstattung günstigere Kreditkonditionen und geringere Anleiherenditen.
Bei Eigenkapital und Primärmärkten fällt die Evidenzbasis noch dünner aus, deutet aber ebenfalls auf niedrigere Eigenkapitalkosten hin.
Zugleich zeigen Untersuchungen zu europäischen Vorgaben wie NFRD, SFDR und EU-Taxonomie gegenläufige Effekte: Investoren fordern mitunter Risikoprämien für erwartete Befolgungskosten und Unschärfen bei Nachhaltigkeitsdefinitionen.
Fragmentierte Datenlage jenseits von Großkonzernen
Die Analyse stützt sich auf 82 begutachtete Fachartikel sowie 17 Studien von EZB und europäischen Aufsichtsbehörden.
Bislang dominieren Untersuchungen zu freiwilligen Offenlegungen und börsennotierten Großkonzernen, während institutionelle Investoren wie Pensionskassen selten beleuchtet werden.
Nationale Rechtsrahmen, Finanzmarktstrukturen und Unternehmenseigenschaften beeinflussen die Wirkungskanäle erheblich, da Kapitalmärkte nicht friktionsfrei reagieren.
Proportionalität schlägt Regulierungsflut
Die Studie entlarvt die Annahme, mehr Berichtspflichten lenkten Kapital automatisch in grüne Bahnen.
Überbordende Bürokratie und unklare Kriterien treiben Risikoprämien und belasten die Unternehmen.
Brüssel muss die Berichtslasten spürbar vereinfachen, statt die Transformation durch Regulierungsdickicht zu bremsen.
Quelle: ESG Disclosure and Green Investment in the EU
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