Sleijpen: Geopolitik erschwert Inflationsanalyse
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Sleijpen: Geopolitik erschwert Inflationsanalyse

DNB-Direktor Olaf Sleijpen betonte in London die Herausforderung der Geldpolitik, zwischen persistenter und temporärer Inflation zu unterscheiden. Er analysierte die komplexen Wechselwirkungen von Geopolitik, Handelsentwicklungen und Energiepreisen auf die Inflationsaussichten.

Das Rätsel der Inflations-Chimäre

„Die Geldpolitik steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, zwischen persistenter Inflation und vorübergehenden Schocks zu unterscheiden,“ erklärte DNB-Direktor Olaf Sleijpen.

Er nutzte die Analogie der mythologischen Chimäre – ein vielgestaltiges Wesen, dessen Bedrohung schwer zu fassen ist – um das aktuelle Wirtschaftsumfeld zu beschreiben.

Geopolitik, Handelsentwicklungen und Energiepreise interagieren komplex, wodurch es schwierig wird, temporäre Schwankungen von dauerhaften Inflationskräften zu trennen.

Die jüngsten EZB-Projektionen spiegeln diese Unsicherheit wider: Das kurzfristige Wachstum wurde nach unten korrigiert, während die Inflationsrisiken, insbesondere bei Energie- und Kerninflation, nach oben zeigen.

Alternative Szenarien verdeutlichen, dass die Inflation unter ungünstigeren Bedingungen länger über dem Basisszenario verbleiben könnte.

Handelszölle: Doppelte Inflationswirkung

Zölle und Handelsunsicherheit stellen eine weitere Quelle der Komplexität dar.

Sie erzeugen sowohl aufwärts- als auch abwärtsgerichteten Druck auf die Inflation im Euroraum, wodurch ihr Nettoeffekt ungewiss bleibt.

Die Einführung von Zöllen im Jahr 2025 führte zu einer Neukonfiguration des globalen Handels, die zwar einen Kollaps verhinderte, aber die Ströme umleitete.

Direkte Effekte wie schwächere externe Nachfrage und Euro-Aufwertung dämpften die Industrieproduktion.

Die Unsicherheit selbst schwächte zudem das Konsum- und Geschäftsvertrauen.

Sekundäreffekte sind gradueller: Unternehmen absorbieren Kosten, und Lagerbestände verzögern die Weitergabe.

Für die Politik ist entscheidend, ob diese Schocks in die Preis- und Lohnbildung übergehen.

Wachsamkeit ist das Gebot der Stunde

Energiepreise bleiben aufgrund geopolitischer Spannungen ein zentraler Unsicherheitsfaktor, auch wenn die Lage weniger dramatisch ist als 2022.

Zwar sind die Inflationserwartungen insgesamt noch verankert, doch zeigen sie eine erhöhte Streuung und Sensibilität gegenüber Schocks, insbesondere bei Haushalten.

Die Geldpolitik muss daher über unmittelbare Effekte hinausblicken und die Glaubwürdigkeit wahren, um sicherzustellen, dass temporäre Schocks nicht zu dauerhafter Inflation werden.