On-Chain-Daten verzerren Krypto-Aktivität um das Sechsfache
DNB Studie

On-Chain-Daten verzerren Krypto-Aktivität um das Sechsfache

Ökonomen der DNB und der BIZ zeigen in einer neuen Studie, dass gängige On-Chain-Indikatoren die reale Wirtschaftsaktivität in Krypto- und DeFi-Märkten drastisch verzerren. Bereinigt um technische Artefakte sinken etwa Bitcoin-Transaktionsvolumina um bis zum Sechsfachen.

Drei fundamentale Quellen systematischer Verzerrung

Die Auswertung von 100 Milliarden Datensätzen aus Bitcoin, Ethereum und Tron legt drei strukturelle Messprobleme offen.

Bei Bitcoin blähen Wechselgeld-Outputs das Transfervolumen massiv auf: Ohne Selbstüberweisungen sinken die Werte um das bis zu Sechsfache.

Zudem bleiben 1,8 Millionen seit über 15 Jahren unbewegte Bitcoins in einfachen Marktwerten unberücksichtigt.

Auf Ethereum verhindern 54,2 Millionen nicht kategorisierbare Smart Contracts klare Einordnungen, während 7.000 Kontrakte den Namen USDT imitieren.

Gleichzeitig unterscheidet sich die Nutzung grundlegend: Auf Ethereum lagen zeitweise über 20 Prozent des USDT-Angebots in Smart Contracts für Liquidität und Kredite, auf Tron verharren sie bei rund einem Prozent.

Das Paradox der gläsernen Blockchain

Die Studie basiert auf dem gemeinsamen Forschungsprojekt Mercurius der DNB, der Deutschen Bundesbank und des BIZ Innovation Hubs.

Das Forscherteam um Timothy Aerts hebt das Paradox hervor, dass die vollständige Transparenz öffentlicher Blockchains keine direkte ökonomische Interpretierbarkeit garantiert.

Oberflächliche Kennzahlen wie das Total Value Locked oder einfache Transaktionssummen vermitteln trügerische Präzision.

Ohne technische Disaggregation und granulare Filterung drohen Regulierungsbehörden und Notenbanken systemische Risiken fehlerhaft einzuschätzen.

Blindflug trotz lückenloser Daten

Die Studie entzaubert den Mythos, On-Chain-Daten spiegelten verlässlich die reale Wirtschaftsaktivität wider.

Wer rohe Transaktionsdaten ungefiltert für Aufsichtszwecke nutzt, erliegt gefährlichen optischen Täuschungen.

Für Zentralbanken ist das Papier eine überfällige Mahnung: Mehr Daten schaffen ohne methodische Schärfung keine Klarheit.

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