Höhere Energiepreise treiben Löhne nur zeitverzögert
DNB Decoder

Höhere Energiepreise treiben Löhne nur zeitverzögert

Seit Februar steigen die Energiepreise infolge des Iran-Kriegs erneut an. Die niederländische Zentralbank analysiert die verzögerte Weitergabe der Kosten auf Unternehmenspreise und Löhne und sieht ein begrenztes Risiko für eine Lohn-Preis-Spirale.

Erst die Preise, dann die Löhne

Steigende Energiekosten belasten Unternehmen unmittelbar über höhere Transport- und Produktionsausgaben.

Wie Erfahrungen aus der Energiekrise von 2022 zeigen, heben Betriebe ihre Verkaufspreise in einer ersten Phase rasch an, während Bruttogewinne maßgeblich zur heimischen Teuerung beitragen.

Löhne reagieren dagegen deutlich träger, da Tarifverträge meist nur in jährlichen Intervallen neu verhandelt werden.

Erst in einer zweiten Phase fordern Beschäftigte höhere Bezüge, um Kaufkraftverluste auszugleichen.

Daten für das erste Quartal 2026 zeigen beim BIP-Deflator in den Niederlanden bislang jedoch einen leichten Rückgang; der Kostendruck hat sich noch nicht auf breiter Front festgesetzt.

Warum die Spirale an Kraft verliert

Eine klassische Lohn-Preis-Spirale stuft die DNB als unwahrscheinlich ein.

Zwar führen teurere Waren langfristig zu Lohnsteigerungen, doch überwälzen Firmen diese höheren Personalausgaben nur in geringerem Umfang wieder auf die Endpreise.

Der Verstärkungseffekt ebbt dadurch schrittweise ab.

Für Zentralbanken bleibt entscheidend, ob Teuerungsschübe auf breitere Gütergruppen übergreifen und ob langfristige Inflationserwartungen bei Unternehmen und privaten Haushalten stabil am Zielwert verankert bleiben.

Lohnangst ohne statistische Basis

Die Entwarnung der DNB vor einer Lohn-Preis-Spirale wirkt trügerisch optimistisch.

Tariflöhne reagieren zwar träge, bauen über die Zeit aber massiven Kostendruck auf.

Wer Zweitrundeneffekte vorschnell abtut, unterschätzt die Sprengkraft anhaltender Energieschocks.

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