Ter Weel warnt vor anhaltenden Angebotsschocks
DNB Rede

Ter Weel warnt vor anhaltenden Angebotsschocks

Bas ter Weel eröffnete am 8. Oktober 2026 den 10. Jahres-Workshop des ESCB Research Cluster 2 in Amsterdam. Er warnte, dass Angebotsschocks und hohe Staatsverschuldung die Geldpolitik vor schwierige Zielkonflikte stellen.

Vom Iran-Krieg zur Inflationsspitze

Seit Beginn des Krieges im Iran ist die Inflation im Euroraum von 1,9 Prozent im Februar auf 3,8 Prozent im September gestiegen, sagte ter Weel.

Ursache seien anhaltende geopolitische Spannungen, volatile Energiemärkte und gestörte Lieferketten.

Schon die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie Angebotsstörungen dauerhaft hohe Inflation auslösen können: Hafenschließungen verknappten Vorprodukte, die Preise zogen sich durch die gesamte Lieferkette.

Der durch Russlands Invasion in der Ukraine ausgelöste Energieschock verschärfte den Preisdruck zusätzlich – mit unterschiedlicher Betroffenheit einzelner Länder.

„Zentralbanken können sich nicht immer auf eine Durchschau-Strategie verlassen“, so ter Weel.

Maastrichts alte Frage, neu gestellt

Schon 1992, bei der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrags, stand die Frage im Raum, wie eine gemeinsame Geldpolitik bei unterschiedlichen Fiskallagen funktionieren kann, erinnerte ter Weel, der selbst in Maastricht Ökonomie studierte.

Steigende Zinsen erhöhten die Schuldendienstkosten der Staaten und schränkten den fiskalischen Spielraum ein.

Solide Fiskalpolitik verringere diesen Zielkonflikt, löse ihn aber nicht auf.

Der Workshop widmet mehrere Papiere der Fiskalpolitik, zwei davon dem Fall Frankreich.

Alte Frage, neue Brisanz

Ter Weels Blick zurück nach Maastricht ist kein Zufall: Frankreichs Fiskallücken machen die alte Frage neu brisant.

Dass Zentralbanken Angebotsschocks häufiger abfedern müssen, ist plausibel – ohne solide Haushalte bleibt ihr Spielraum jedoch eng.

Die Botschaft an die Politik ist unmissverständlich.

Quelle: The Maastricht Question Revisited

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