Zinserhöhungen wirken in unsicheren Zeiten schwächer
Zinserhöhungen bremsen Inflation und Wirtschaftswachstum in Phasen hoher Unsicherheit deutlich schwächer als in stabilen Zeiten. Zu diesem Befund kommt eine Analyse der De Nederlandsche Bank, die insbesondere Finanzmarkt- und geopolitische Risiken als Bremsfaktoren identifiziert.
Zinsimpulse verpuffen im Krisenmodus
Die Analyse der niederländischen Notenbank untersucht die Transmission eines Zinsschritts von 25 Basispunkten unter verschiedenen Rahmenbedingungen.
Die Ökonomen unterscheiden drei Formen von Unsicherheit: finanzielle Instabilität, makroökonomische Risiken und geopolitische Spannungen.
Das Ergebnis: In einem stabilen Umfeld führt eine Zinserhöhung zu einem klaren Rückgang von Inflation und Wirtschaftswachstum.
Herrscht hingegen hohe Unsicherheit, fallen diese Dämpfungseffekte messbar geringer aus.
Vor allem geopolitische Konflikte und Turbulenzen an den Finanzmärkten schwächen die geldpolitische Wirkung ab.
Bei Zinssenkungen zeigt das Modell symmetrische Effekte in die Gegenrichtung.
Vorsicht lähmt den Transmissionskanal
Als Ursache für die veränderte Wirkungskraft nennt die DNB verändertes Verhalten: Haushalte verschieben größere Anschaffungen, Unternehmen halten Investitionen zurück, und Banken vergeben Kredite restriktiver.
Eine Zinserhöhung trifft somit auf Akteure, die ohnehin auf Sicht fahren.
Für Zentralbanken hat dies direkte Konsequenzen für die Zinssteuerung.
Um das Inflationsziel von 2,0 Prozent zu erreichen, müssen Notenbanken in Krisenphasen unter Umständen entschlossener reagieren oder mehr Zeit für die Wirkungsentfaltung einplanen.
Mehr Dosis für dieselbe Wirkung
Die DNB liefert eine treffende Erklärung dafür, warum Zinsschritte in Krisen oft verpuffen.
Wer Geldpolitik starr an Standardmodellen ausrichtet, unterschätzt die lähmende Wirkung geopolitischer Schocks.
Für Zentralbanken folgt daraus: In turbulenten Zeiten müssen sie kräftiger dosieren als im Lehrbuch vorgesehen.