Langfristige Inflationserwartungen bleiben verankert
ECB Paper

Langfristige In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen bleiben verankert

Trotz des jüngsten Energiepreisschocks bleiben die langfristigen Inflationserwartungen im Euroraum stabil verankert. Eine Analyse der EZB belegt, dass Verbraucher, Unternehmen und Finanzexperten ihre langfristigen Erwartungen nahe am Zwei-Prozent-Ziel halten.

Verbraucher reagieren, Experten bleiben gelassen

Die EZB untersucht die Verankerung der Erwartungen über verschiedene Akteursgruppen hinweg.

Während Verbraucher auf den jüngsten Energiepreisschock am stärksten reagierten, flacht die Fristenstruktur nach oben hin steil ab: Die langfristigen Erwartungen stiegen nur geringfügig.

Bei Unternehmen und professionellen Forecastern veränderten sich die langfristigen Werte kaum.

Zwar stiegen bei Firmen in der SAFE-Umfrage für das erste Quartal 2026 die Ein-Jahres-Erwartungen von 2,6 auf 3,0 Prozent, doch die Drei-Jahres-Erwartungen verharrten unverändert bei 3,0 Prozent.

Der Anteil der Befragten mit Ziel-konformen Erwartungen liegt bei allen drei Gruppen weiterhin über dem Niveau der Jahre 2022 und 2023.

Rückgang der Uneinigkeit unter Experten

Auch bei den sekundären Indikatoren wie Uneinigkeit und Extremrisiken zeigt sich eine intakte Verankerung.

Die Unstimmigkeit unter den Akteuren, gemessen am Quartilsabstand der langfristigen Erwartungen, liegt bei Experten weiterhin unter dem historischen Durchschnitt und hat sich auch bei Haushalten und Firmen gegenüber den Höchstständen von 2022 und 2023 deutlich verringert.

Zudem verflachte die Sensitivität langfristiger Erwartungen gegenüber kurzfristigen Schocks zuletzt bei den Verbrauchern.

Trügerische Ruhe am Er­war­tungs­ho­ri­zont

Die Stabilität der langfristigen Erwartungen ist eine gute Nachricht für die EZB.

Doch der verbleibende Aufwärtsbias bei Verbrauchern zeigt, wie sensibel die Öffentlichkeit auf Preisschocks reagiert.

Wer aus den Daten Entwarnung herausliest, ignoriert das fragile Vertrauen der Bürger.