Studie bilanziert zehn Jahre Pariser Klimaabkommen
ECB Paper

Studie bilanziert zehn Jahre Pariser Klimaabkommen

Zehn Jahre nach dem Pariser Abkommen hinken die globalen Klimaziele hinterher, während physische Risiken und Kipppunkte eskalieren. Eine neue EZB-Studie fordert ein präventives und systemisches Umsteuern in der Wirtschaftspolitik.

Rennen gegen die Zeit am Klimagipfel

Trotz des Pariser Abkommens steigen die globalen Treibhausgasemissionen weiter, wenn auch langsamer mit jährlich rund 0,3 Prozent.

Die Autoren Dirk Broeders und Francesco Paolo Mongelli konstatieren ein dreigleisiges Problem aus eskalierenden physischen Risiken, kognitiven Awareness-Lücken und schwachem politischen Willen.

Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Überschwemmungen verursachen enorme wirtschaftliche Schäden; allein in Europa summierten sich die Verluste zwischen 1980 und 2024 auf rund 822 Milliarden Euro.

Ein Viertel dieser Kosten entstand allein in den letzten vier Jahren von 2021 bis 2024.

Das verbleibende CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel ist nahezu erschöpft, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, gefährliche planetare Kipppunkte zu überschreiten.

Das Trilemma zwischen Schutz und Kosten

Das Papier beleuchtet das klimapolitische Trilemma zwischen unzureichender Mitigation, unzureichender Adaptation und explodierenden Restaurationskosten.

Da physische und Transformationsrisiken sich gegenseitig verstärken, führt politisches Aufschieben zu drastischen ökonomischen Folgekosten.

Unter Rückgriff auf NGFS-Szenarien warnen die Autoren vor Szenarien mit bis zu 4,5 Grad Erwärmung bis 2100 und massiven BIP-Verlusten von über 20 Prozent bei anhaltend hohen Emissionen.

Ein Weckruf für die Makroökonomie

Diese Untersuchung entlarvt Klimapolitik als harten Kernfaktor makroökonomischer Stabilität statt als nettes Zusatzthema.

Wer weiter auf Zögern setzt, unterschätzt fatale Kipppunkte und riskiert die Existenzgrundlage ganzer Volkswirtschaften.

Der Übergang erfordert daher radikale Vorsorge und das Schließen der gigantischen Umsetzungslücke.