Buch fordert breitere Debatte über Bankenregulierung
SSM Rede

Buch fordert breitere Debatte über Bankenregulierung

Die Bankenaufsicht braucht mehr unabhängige Beobachter aus Wissenschaft und Gesellschaft. Bei einer Konferenz an der Goethe-Universität Frankfurt forderte EZB-Chefaufseherin Claudia Buch am 15. September 2026 eine evidenzbasierte Debatte und warnte vor der Aufweichung von Kapitalregeln.

Gegen das Übergewicht der Bankenlobby

Die europäische Bankenaufsicht muss sich nach Ansicht von EZB-Chefaufseherin Claudia Buch intensiverer öffentlicher Kontrolle stellen.

Bislang dominierten Banken die Konsultationen der Politik: Bei einer Befragung der EU-Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit stammten fast zwei Drittel der 227 Rückmeldungen aus der Finanzbranche, während Wissenschaft, NGOs und Bürger zusammen nur 19 Prozent ausmachten.

„Wir brauchen eine breitere Debatte“, betonte Buch.

Zudem verteidigte sie strikte Eigenkapitalanforderungen gegen Forderungen nach Lockerungen.

Kapital schränke die Kreditvergabe nicht ein, sondern stärke die Resilienz bei Schocks.

Bei der Festlegung der Säule-2-Kapitalanforderungen setzt die Aufsicht 2026 auf eine risikobasierte Methodik mit strukturiertem Benchmarking.

Datenzugang statt Bauchgefühl

Buch knüpft an die Tradition der Notenbankbeobachter an, die 1999 mit Ottmar Issings Initiative begann.

Für eine fundierte Aufsichtsanalyse fehle es jedoch oft an Datenzugängen und Meta-Analysen wie dem FRAME-Register der BIZ.

Fortschritte sieht die EZB durch den neuen Pillar-3-Datenhub der EBA sowie eigene Pilotprojekte, die Forschern anonymisierte Bilanzdaten von rund 2.000 Instituten und Zinsdaten von 300 Banken öffnen.

Eine solide Datenbasis sei essenziell, um kausale Effekte von Regulierung zu belegen.

Wissenschaft als Schutzschild

Buch mobilisiert Wissenschaft und Öffentlichkeit gegen den Deregulierungsdruck der Bankenlobby.

Ihr Ruf nach Transparenz und granularen Forschungsdaten entlarvt interessengeleitete Kritik an Kapitalvorschriften.

Ob dieser akademische Gegendiskurs politische Lockerungsbestrebungen stoppen kann, bleibt jedoch zweifelhaft.

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