Buch mahnt Banken zu strikter Kontrolle digitaler Risiken
EZB-Chefaufseherin Claudia Buch warnt Banken vor operationellen Risiken durch KI, Cloud-Dienste und Tokenisierung. Bei einer Konferenz in Amsterdam betonte sie am 22. September 2026, dass technologische Innovationen eine solide Governance und strenge Leitplanken erfordern.
Künstliche Intelligenz und neue Netzwerke
Über 90 Prozent der von der EZB direkt beaufsichtigten Institute setzen Künstliche Intelligenz ein, 85 Prozent nutzen generative KI.
Laut Claudia Buch dient KI bei 64 Prozent der Institute vorrangig der Betrugs- und Cyberkriminalitätsbekämpfung.
Rund zwei Drittel der Banken im Euroraum arbeiten mit externen Cloud-Anbietern zusammen, oft mit Sitz außerhalb der Europäischen Union.
Zudem planen etwa 30 Prozent der Institute tokenisierte Einlagen.
Zur Integration privater Netzwerke startete am 21. September 2026 das Eurosystem-Projekt „Pontes“, das Transaktionen mit tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld abwickelt.
Für 2028 ist mit „Appia“ ein europäisches Ökosystem für tokenisierte Finanzen geplant.
Technologieneutral, nicht risikoneutral
Banken unter EZB-Aufsicht investieren im Schnitt 2,8 Prozent ihrer Betriebserträge in Digitalisierungsprojekte, was einem Fünftel der gesamten IT-Ausgaben entspricht.
Die Aufsicht agiere dabei technologie-, aber keineswegs risikoneutral, betonte Buch: „Es ist nicht unsere Aufgabe zu bestimmen, welche Technologien Banken nutzen sollten.“
Weil digitale Risiken jedoch schneller eskalieren und über zentrale Dienstleister das gesamte System erfassen können, setzt die Aufsicht auf sektorweite Analysen wie das DORA-Rahmenwerk.
Vom IT-Projekt zur Chefaufgabe
Die EZB zieht zu Recht die Grenze zwischen Innovationsfreiheit und Risikovorsorge.
Hohe Abhängigkeiten von externen IT-Konzernen machen systemweite Kontrollen unverzichtbar.
Für Bankvorstände wird Digitalisierung damit endgültig zur haftungsrelevanten Führungsaufgabe.