Stresstest offenbart Lücken bei geopolitischen Risiken
Die EZB-Bankenaufsicht hat ihren thematischen Stresstest 2026 zu geopolitischen Risiken bei 110 direkt beaufsichtigten Instituten abgeschlossen. Während die meisten Banken plausible Szenarien vorlegten, offenbart der Bericht deutliche Mängel bei der Modellierung von Solvenz- und Liquiditätsrisiken.
300 Basispunkte Puffer unter Belastung
Beim Umkehr-Stresstest simulierten 110 Großbanken ein vorgegebenes Kapitalabbauziel von 300 Basispunkten der CET1-Quote durch eigene geopolitische Szenarien.
Dieser Wert spiegelt historische Krisen wie die Euro-Schuldenkrise wider.
Ein Viertel der Banken wählte Nahost-Konflikte inklusive einer Sperrung der Straße von Hormus als Auslöser.
Weitere häufige Risikotreiber waren die Eskalation des Ukraine-Kriegs, US-China-Handelskonflikte sowie Taiwan-Spannungen.
Die Übertragung erfolgte primär über die Realwirtschaft wie Energie- und Lieferkettenausfälle, gefolgt von Finanzmarktschocks.
Kreditausfälle konzentrierten sich auf anfällige Branchen wie Landwirtschaft, Bauwesen, Transport und Gastronomie.
Wenn alle gleichzeitig durch die Tür wollen
Trotz solider Ergebnisse deckte die Aufsicht deutliche Schwächen auf.
Viele Institute erfassten die Wechselwirkung zwischen Solvenz- und Liquiditätsrisiken unzureichend.
Zudem planten viele Banken unrealistische Gegenmaßnahmen: Wenn in einer Krise 60 Prozent der Institute gleichzeitig Vermögenswerte verkaufen oder Kredite umpreisen, sinkt deren Effektivität drastisch.
Auch nannten 86 Banken Cyberangriffe als operatives Hauptrisiko.
Die identifizierten Mängel fließen nun in den SREP-Prozess ein und können höhere Säule-2-Kapitalanforderungen nach sich ziehen.
Gefährliche Illusionen im Modell
Der Stresstest entlarvt eine gefährliche Illusion im Bankensektor.
Wer im Krisenfall auf gleichzeitige Verkäufe baut und Liquiditätsrisiken ausblendet, rechnet seine Widerstandskraft schön.
Die EZB muss diese Schönwetter-Modelle nun zügig mit spürbar höheren Kapitalaufschlägen korrigieren.