Montagner warnt Banken vor Sorglosigkeit trotz hoher Gewinne
Hohe Gewinne dürfen nicht über schwelende Risiken hinwegtäuschen: EZB-Aufsichtsrat Patrick Montagner hat die europäischen Banken am 1. Oktober 2026 in Paris zu erhöhter Wachsamkeit bei Kreditstandards, Cyber-Resilienz und privaten Kreditmärkten gemahnt.
Zwischen Rekorderträgen und realen Risiken
Europäische Banken weisen derzeit solide Eigenkapital- und Liquiditätsquoten sowie verbesserte Erträge auf.
Doch diese Erholung fußt vor allem auf dem veränderten Zinsumfeld und darf laut Patrick Montagner nicht zu Selbstgefälligkeit führen.
Die Aufsicht beobachtet erste Verschlechterungen bei der Aktivaqualität in einzelnen Segmenten und steigende Risikokosten.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen, unübersichtliche Verflechtungen mit dem wachsenden Markt für Privatkredite sowie zunehmende Klimarisiken.
Die extremen Hitzewellen und Niedrigwasserstände an Rhein und Donau im Sommer 2026 hätten die realwirtschaftlichen Folgen drastisch vor Augen geführt.
Montagner forderte daher strikte Maßstäbe bei der Kreditvergabe und eine risikoadäquate Bepreisung.
KI-Angriffe und die Verteidigung der Regeln
Ein Schwerpunkt der Aufsicht liegt auf operativen und technologischen Risiken.
Die Digitalisierung und Auslagerungen an Cloud-Anbieter schaffen kritische Abhängigkeiten.
Zudem beschleunigt künstliche Intelligenz die Ausnutzung von IT-Schwachstellen durch Cyberangreifer.
„Banken können sich nicht mehr Monate Zeit lassen, um Schwachstellen zu beheben“, betonte Montagner.
Gleichzeitig warnte er vor Deregulierungsbestrebungen: Die seit 2008 mühsam aufgebauten Kapitalregeln dürften nicht unter dem Vorwand bürokratischer Vereinfachung geschleift werden.
Warnschuss gegen die Sorglosigkeit
Montagners Mahnung trifft den wunden Punkt einer Branche, die Zinsgewinne vorschnell als Normalität verbucht.
Die Verknüpfung von KI-Risiken und Geopolitik zeigt ein geschärftes Problembewusstsein der Aufsicht.
Nun muss die EZB beweisen, dass sie bei Mängeln im Risikoberichtswesen auch harte Konsequenzen zieht.