Machado knüpft Binnenmarkt an einheitliche Bankenabwicklung
Ohne gemeinsame Abwicklungsregeln gibt es keinen funktionierenden Bankenbinnenmarkt. Dies betonte EZB-Aufsichtsrat Pedro Machado am 1. Oktober 2026 in Madrid und forderte eine verlässliche Krisenarchitektur vor der Gewährung grenzüberschreitender Ausnahmen.
230 Milliarden Euro an Grenzen blockiert
Die Fragmentierung entlang nationaler Grenzen bremst Europas Bankensektor.
Nach Schätzungen der Europäischen Zentralbank binden getrennte Kapital- und Liquiditätsvorgaben für Tochtergesellschaften rund 230 Milliarden Euro an hochliquiden Vermögenswerten.
Zudem entfällt im Euroraum nur etwa ein Sechstel der Unternehmenskredite auf grenzüberschreitende Finanzierungen, während weniger als 2 Prozent der privaten Einlagen im Ausland liegen.
Machado stellte klar, dass nationale Aufsichtsbehörden Erleichterungen bei Kapital und Liquidität verweigern, solange die Risiken im Krisenfall national verbleiben: „Vertrauen in die Abwicklung von Banken schafft Freiheit für ihr operatives Geschäft.“
Vier Lücken im Krisenregime
Zwar erfüllen die Banken ihre MREL-Vorgaben mit durchschnittlich 28 Prozent der Risikopositionen fast vollständig, doch identifiziert Machado vier wesentliche Lücken: die lückenhafte CMDI-Umsetzung, das Fehlen einer fiskalisch abgesicherten Liquiditätsfazilität für rekapitalisierte Institute, die weiterhin nationale Einlagensicherung sowie divergierende nationale Insolvenzgesetze.
Das für Anfang 2027 geplante Bankenpaket der EU-Kommission dürfe daher nicht in Effizienz- und Sicherheitsregeln gespalten werden.
Keine Abkürzung zur Bankenunion
Machado legt den Finger treffsicher in die offene Wunde der europäischen Bankenunion.
Solange nationale Finanzminister im Pleitefall allein geradestehen müssen, bleibt der Ruf nach freiem Kapitalfluss eine Illusion.
Wer echte Marktintegration will, kommt an einer gemeinsamen Einlagensicherung nicht vorbei.