Donnery knüpft Wettbewerbsfähigkeit an harte Kapitalregeln
EZB-Aufsichtsratsmitglied Sharon Donnery hat Deregulierungsforderungen im europäischen Bankensektor zurückgewiesen. Im Interview mit banko.ro betonte sie am 30. September 2026, dass hohe CET1-Kapitalanforderungen und vereinfachte Aufsichtsprozesse einander nicht ausschließen.
Effizienz ohne Rabatt beim Kernkapital
Die EZB vereinfacht im Rahmen ihrer Initiative „Next-Level Supervision“ administrative Abläufe und hat bereits über 100 aufsichtliche Publikationen überprüft, veraltete Dokumente gestrichen sowie Leitfäden gestrafft.
Sharon Donnery stellte jedoch klar, dass dies keine Aufweichung der CET1-Kapitalanforderungen bedeutet.
Bei der Reform des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP) richtet die Bankenaufsicht den Fokus künftig zielgerichteter auf institutsspezifische Risiken statt auf jährliche Routineprüfungen aller Kategorien.
Zudem mahnte Donnery Defizite bei der Risikodatenaggregation an: Banken müssten die Basler Standards einhalten, andernfalls drohen Zwangsgelder.
Binnenmarktbarrieren und Schattenbanken
Auf Marktfragmentierung verwies Donnery unter Berufung auf den IWF: Nationale Barrieren im EU-Binnenmarkt wirken wie ein Zusatzzoll von 110 Prozent auf Dienstleistungen.
Um Kapital- und Liquiditätsgrenzen abzubauen, forderte sie die Vollendung der Bankenunion mit gemeinsamen Einlagensicherungen.
Besondere Risiken sieht die Aufseherin im Nichtbankensektor, der inzwischen rund die Hälfte aller weltweiten Finanzaktiva hält, sowie bei externen Cloud-Anbietern.
„Eine starke Kapitalposition ist kein begrenzender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit, sondern deren Voraussetzung“, so Donnery.
Große Ambitionen, enge Grenzen
Die Aufsicht versucht den Spagat aus Bürokratieabbau und harten Eigenkapitalregeln.
Doch ohne vollendete Bankenunion bleiben Donnerys Binnenmarktpläne weitgehend graue Theorie.
Für Banken heißt das: Weiterhin maximaler Druck bei Datenqualität, Cloud und Georisiken.
Quelle: Sharon Donnery: Interview with banko.ro
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